Wien 2.0 – ein langes Wochenende ohne Walzer, Sissi und Sachertorte

Blick auf den Wiener Donaukanal und auf ein alternatives Wien

 

Vor gefühlt zwanzig Jahren – in echt sind es aber „nur“ sechzehn – war ich zum ersten Mal in Wien. Damals als Umzugshelferin für eine Studienfreundin. Sie wollte ihr Auslandssemester an der Uni in Wien verbringen, ich wollte gerne die Stadt sehen, also machten wir uns im Oktober auf nach Wien. Ein bis unters Dach vollgepacktes Auto, zwei hibbelige Mädels. Gesehen hab ich die Stadt damals im Schnelldurchlauf und mir war sofort klar: hierhin muss ich nochmals mit schön viel Zeit zurückkehren.

 

 

Heute sind es wieder zwei Mädels – ich habe das große Glück, vor Ort mit „Piefke in Vienna“ unterwegs zu sein. Eine Freundin, die seit einigen Monaten in Wien lebt. Auf Instagram teilt sie fast täglich ihren (un)typisch deutschen Blick auf Wien. Und genauso wenig Sissi-Kitsch und Sachertortengelage wie ihr Instagram-Profil verspricht, packen wir in dieses Wochenende. Nämlich nada.

 

Der Herbst ist die ideale Reisezeit für ein langes Wochenende in Wien.

 

Anders als vor sechzehn Jahren diesmal übrigens nicht mit dabei: ein vollgepacktes Auto. Angereist bin ich aus München mit dem Fernbus der ÖBB, also der Österreichischen Bundesbahn. Der nennt sich „Hellö“ und kostet mich für die einfache Strecke gerade mal 15 Euro.

Unser Credo des Wien-Wochenendes: Fußgeher, Achtung!

Das unbekanntere Wien entdecken. Immer schön die Augen offen halten während unseres langen Wochenendes.

 

Wer nur in der U-Bahn durch die Stadt kreuzt, verpasst das Beste. Die wunderbarsten Überraschungen verbergen sich hier häufig hinter den unscheinbarsten Ecken.

Also, liebe Fußgeher, immer schön die Augen offenhalten.

 

Hofburg, Stephansdom und Burgtheater sind beeindruckend, aber das echte Wien entdeckt man abseits der Touristenpfade. Mein persönliches Highlight: die Josefstadt. Das ist der Stadtteil, der sich westlich ans Wiener Rathaus anschließt. Hier könnt ihr euch wunderbar treiben lassen, entdeckt ständig was Kurioses und könnt am echten Wiener Leben schnuppern.

Mitten in einer Wohnstraße versteckt sich zum Beispiel eine alte Kirche. Es gibt süße Läden zum Stöbern und mehr als eine Gelegenheit, der Wiener Kaffeehauskultur zu frönen.

 

 

Das Wiener Burgtheater, ein Klassiker. Von hier aus lohnt sich ein Rundgang durch die Josefstadt.
Mitten in der Wiener Josefstadt. Ein cooles Viertel zum Schlendern.

 

Ebenfalls toll zum Schlendern und Entdecken fand ich das teilweise recht abgerockte Viertel Leopoldstadt – das ist der Stadtteil rund um den Wiener Praterstern. Ein großer Verkehrsknotenpunkt, von dem aus ihr z.B. auch in den Prater gelangt.

Erschließt man sich das Viertel aber vom Ufer des Donaukanals aus, dann warten alternative Läden, coole Cafés und ein Wien auf euch, das teilweise etwas an Berlin erinnert.

 

Am Praterstern angekommen, empfehle ich euch – trotz Touriwarnung – einen Abstecher in den Prater. Das ist nicht nur ein Vergnügungspark mit dem berühmten Riesenrad, sondern ein riesiger Park, in dem ihr gemeinsam mit echten Wienern unter unzähligen Kastanienbäumen spaziert, Rad fahrt, spielt, lest, picknickt, küsst, vor euch hinträumt. Und das kilometerlang.

 

In der Wiener Leopoldstadt.

 

Nachdem wir uns mit dem Prater nun doch in etwas touristischere Ecken der Stadt gewagt haben, bleiben wir kurz dabei. Das Museumsquartier hat mich trotz etlicher Touristengruppen vollauf begeistert. Neben den großen Museen mit etlichen Dauerausstellungen, gibt es dort auch versteckte Highlights, wie zum Beispiel die engste Galerie der Welt mit einer Ausstellung, für die sich der Kurator schämt. Zugegebenermaßen waren der Weg zur Galerie und die dort ausgestellten kuriosen Statistiken deutlich netter als die Bilder in der Galerie selbst, aber der Raum an sich und vor allem die Beschilderungen machten dies wieder wett.

Im Wiener Museumsquartier sind nicht nur die einzelnen Museen einen Besuch wert. Es lohnt sich ganz besonders, auch für das gesamte Areal etwas Zeit mitzubringen. Richtet in allen Torbögen und Durchgängen den Blick nach oben, denn auch dort wartet Kunst auf euch. Auch wer noch außergewöhnliche Mitbringsel sucht, wird in den Durchgängen am Comic-Automaten fündig.

 

Aber ganz besonders lohnenswert im Museumsquartier ist der Weg hoch hinaus. Steigt am mumok die Treppe hoch und erkundet die versteckten Wege hinter den Museen. Dort findet ihr neben einigen Ausstellungsstücken auch den Zugang zu Künstlerwohnungen sowie unerwartete Ausblicke.

 

Urbane Kunst im Wiener Museumsquartier.
Ungewöhnliche Ausblicke im Wiener Museumsquartier.
Die engste Galerie der Welt im Wiener Museumsquartier.
Blick in die engste Galerie der Welt im Wiener Museumsquartier.

 

Apropos Ausblicke. Der Name meines Blogs lässt schon erahnen, dass ich den Blick aufs Wasser liebe und wenn ich eben nicht das Meer haben kann, dann nehm ich auch mit einem Fluss vorlieb. Oder, wie in diesem Fall, mit einem Kanal. Am Wiener Donaukanal ist die Wiener Hochkultur abgemeldet und es gibt jede Menge Street Art zu entdecken.

Vom Schwedenplatz aus könnt ihr entlang des Kanals zu beiden Seiten lange Spaziergänge machen und euch neben der urbanen Kunst auch an leckeren Snacks und Cocktails in den kleinen Buden am Ufer erfreuen.

 

Das alternative Wien entlang des Wiener Donaukanals.

 

Wenn euch nach moderner Wiener Küche in gemütlichem Ambiente ist, kann ich euch das Restaurant Wienerin am Petersplatz empfehlen. Trotz zentraler Lage verirren sich hier recht wenige Touristen hin und der Service ist so nett und herzlich, dass ihr dort bei schlechtem Wetter einen ganzen Nachmittag bei bester kulinarischer Verpflegung verbringen könnt.

 

Auch sonst hält Wien kulinarisch einige Entdeckungen bereit: Falafel sind beispielsweise auf dem Naschmarkt ein echt großes Ding. Gleich mehrere Anbieter beanspruchen für sich, die besten der besten Falafel zu servieren. Zum Teil zu unschlagbaren Preisen könnt ihr hier superleckere Kichererbsenbällchen probieren. Einen Spaziergang über den Naschmarkt mit mehreren Stops zum Naschen möchte ich euch eh ans Herz legen. Falls ihr es schafft, kommt nicht zur klassischen Mittagspausenzeit. Dann ist es einfach so voll, dass es nicht wirklich viel Spaß macht, sich zwischen den Ständen durchzudrängen.

 

Wer, wie ich, seit Jahren behauptet, dass es definitiv keine gesunden Süßigkeiten und Süßspeisen gibt, die gleichzeitig mega-lecker sind, der darf sich gerne – wie ich – in der Simply Raw Bakery eines Besseren belehren lassen.

Unfassbar, was dort alles gezaubert wird. Und ein schöner Laden ist es außerdem.

Wien hat es wirklich geschafft, sich über alle Sinne in mein Gedächtnis zu brennen – mein nächster Besuch wird definitiv nicht weitere sechzehn Jahre auf sich warten lassen.

 

 

Habt ihr kulinarische Tipps für Wien? Dann nix wie rein damit in die Kommentare!

 

Auch alle anderen Tipps sind dort natürlich willkommen. Ich freu mich drauf. 

 

Und wer gar nicht genug von Wien bekommen kann, findet hier einige Tipps für weitere individuelle und ungewöhnliche Entdeckungstouren:

 

Wien für Mädels. Mit viel Shopping, coolen Restaurants, Bars und weiteren Lifestyle-Tipps für ein lässiges Mädels-Wochenende.


Unbekanntes entdecken mit dieser Zusammenstellung an unnützem Wien-Wissen. Netter Zeitvertreib für die Anreise in Bus oder Bahn. Stimmt perfekt auf die Besonderheiten Wiens und der Wiener ein.


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Kommentare: 1
  • #1

    Carolina (Freitag, 06 Januar 2017 17:12)

    Kenne bisher eher die Wien Klassiker. Macht Lust drauf mehr zu entdecken.

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